Auf dem Sülzbahnsteig - Von Viadukten und schönen Aussichten | Rastlos - Der Wanderblog

Samstag, 22. Oktober 2016
Meine Bewertung:

Auf dem Sülzbahnsteig - Von Viadukten und schönen Aussichten

Ein Holzpfosten, an dem ein weißes Blechschild geschraubt ist. Auf dem Blechschild sieht man eine grüne Dampflok, darüber den Schriftzug "Sülzbahnsteig". Im Hintergrund ist eine Weide sowie eine Straße zu erkennen.
Wandern ist schön. Ich glaube, soweit sind wir uns alle einig. Und Wandern auf historischen Pfaden ist noch schöner. Das sehe zumindest ich so. Wobei historische Pfade natürlich sehr weitläufig ausgelegt werden können.
Am vergangenen Dienstag erwanderte ich den Sülzbahnsteig im oberbergischen Lindlar, der zu einigen Teilen auf der Bahntrasse der ehemaligen Sülzbahn errichtet wurde und an die erste und bislang einzige Bahnverbindung zwischen Bergisch Gladbach und Lindlar erinnert. Der Bahnbetrieb wurde zu Beginn der 1960er Jahre eingestellt. Seither standen die eigens für die Sülztalbahn gebauten Trassen und Viadukte ungenutzt herum und verfielen zusehenst, bis sie, im Rahmen des "Alleen-Radwege-Programms", zwischen 2008 und 2013 wieder restauriert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. In diesem Zuge entstand auch der 11 km lange Sülzbahnsteig, von dem ich hier nun sehr gerne berichte.

Vom Sülzbahnsteig habe ich vor einiger zeit eher zufällig erfahren. Wie, weiß ich auch nicht mehr genau. Jedenfalls stand seither für mich fest, dass ich diese Tour mal erwandern möchte.
Da ich diese Woche noch Urlaub hatte und mir der Dienstag aus meteorologischer Sicht ganz brauchbar erschien, entschied ich mich dazu, an diesem Tag nach Lindlar zu fahren.
Die Parkplatzsuche vor Ort erwies sich als recht einfach. Der Startpunkt liegt in einem Wohngebiet und man kann recht bequem am Straßenrand parken.
Am Ausgangspunkt der Tour ist eine Infotafel sowie eine Schutzhütte zu finden. Letztere ist übrigens die einzige auf der ganzen Runde. Die Infotafel erklärt aufschlussreich die Geschichte der Sülztalbahn und zeigt einige Bilder aus vergangenen Zeiten.
Der erste Teil des Weges ist vollständig asphaltiert und gleich zu Beginn erkennt man das Zeichen, das auf den bevorstehenden 11 km wegweisend sein wird: Eine grüne Dampflok auf weißem Grund. Der Gesamte Weg ist mit diesem Zeichen gut gekennzeichnet sodass man sich kaum verlaufen kann.
Eine steinerne Brücke mit Bögen, durch die eine Straße führt. Oben an der Brücke ist ein Brückengeländer.
Das Viadukt in Linde
Bildquelle: Caesius / wikipedia.org
Vorbei an Kuhweiden mit kleinen Kälbern biegt der Weg vor einer Brücke nach rechts ab und führt nach unten zur Straße, an der man einige Meter entlangläuft, bevor man nach links abbiegt und an einigen Fischteichen entlangwandert. Am Ende der Fischteiche geht es dann erstmals bergauf, unter einer weiteren Brücke hindurch bis man wieder auf einem asphaltierten, schnurrgeraden Weg steht, der direkt über den Bahndamm führt.

Das restaurierte Viadukt von Linde


Warum die Planer des Sülzbahnsteigs diesen Weg entlang der Fischteiche gelegt haben, will sich mir nicht ganz erschließen, da man den Weg auch einfach hätte geradeaus laufen können um auf den Bahndamm zu gelangen. Nun ja, irgendeinen Sinn wird es gehabt haben. Oder auch nicht. Keine Ahnung.

Der Bahndamm führt geradewegs auf das Viadukt, dass zwischen 1909 und 1912 erbaut wurde und nach der Stilllegung der Bahnstrecke ebenfalls Jahrzentelang ungenutzt blieb. Seit der Restaurierung führt ein asphaltierter Fußgänger- und Radweg darüber.
Leider gibt es keine Möglichkeit, ein schnelles Foto vom Viadukt zu machen, sodass auch ich hier leider auf ein Foto aus Wikipedia zurückgreifen muss.
Vom Viadukt aus hat man einen schönen Blick auf das oberbergische Land. Hier kann man ein bisschen verweilen und sich die Zeit damit vertreiben, die Botschaften der Liebesschlösser zu lesen, die verliebte Pärchen am Brückengeländer angebracht haben.

Ein paar Meter hinter dem Viadukt kann man am linken Wegesrand alte, inzwischen von Moos überzogene Bahnschwellen entdecken. Folgt man dem Weg noch ein Stückchen weiter, gelangt man zum ehemaligen Bahnhof Linde. Dieser Bahnhof ist heute in Privatbesitz, umzäunt und nicht zugänglich. Ein paar Meter alte, zugewachsene Bahnschienen sind frei zugänglich und an der (leider funktionsuntüchtigen) Weiche kann man mal ausprobieren, welche Kraft damals aufgebracht werden musste, um diese zu verstellen. Das Highlight am Bahnhof Linde ist jedoch ganz klar die alte Dampflokomotive, die wie im Dornröschenschlaf im Garten des Bahnhofsgebäudes steht. Ein Zaun gewährt halbwegs freien Blick auf die alte Dame, die leider sehr von Grünspan überzogen ist.


Kurz vor einem Firmengelände geht ein kleiner Trampelpfad steil bergauf. Hier beginnt der vielleicht abenteuerlichste Teil der Wanderung. Auf kleinen, sehr schmalen Pfaden führt der Weg weiter. Zur Rechten ein großes Feld, zur Linken eine recht steile Böschung, die man ziemlich leicht herunterrutschen könnte, wenn man mal daneben tritt. Hier verläuft übrigens auch der bergische Panoramasteig.
Am Ende dieses Trampelpfades steht man wieder auf einer Straße, der man ein paar Meter folgt, eine Kreuzung überquert und nach kurzer Zeit wieder auf einen Feldweg abbiegt. Diesem folgt man in ein kleines Waldstück hinein, in dem es dann wieder ein bisschen bergauf geht.
Die Route im Detail
Ein paar Meter nach einer scharfen Rechtskehre überquert man einen kleinen, typisch oberbergischen Hof, auf dem offenbar noch Viezucht betrieben wird. Den kleinen, gemütlich aussehenden Hof mit einem Strohlager auf dem Dachboden lässt man zügig hinter sich um wieder ein kleines Stück durch den Wald zu wandern, vorbei an einem Holzlagerplatz.

Auf den Höhen über Kemmerich


Über er einen Feldweg wandert man weiter, überquert eine Straße und wandert dann wieder durch ein kleines Waldstück. Hier legte ich eine Pause inkl. heißer Suppe aus meinem kleinen Kocher ein.
Kurz hinter dem Waldstück gelangt man auf einen weiteren Feldweg, auf dem ich das Gefühl hatte, irgendwo in Bayern zu sein. Am Ende des etwas ansteigenden Feldwegs wartet neben einem steinernen Kreuz auch eine traumhafte Sicht über das Oberbergische in Richtung Lindlar.

Die gegenüberliegende Straße entlang wandert man bergab in Richtung des Ortes Kemmerich, den man ziemlich schnell wieder hinter sich lässt um anschließend parallel zur Rheinstraße Richtung Lindlar zu laufen.
Auf halbem Weg etwa kommt man an der St. Rochus Kapelle vorbei, die jedoch kaum zu übersehen ist. Mit ihrer schneeweißen Fassade und dem Spitzturm ist sie ein Hingucker in der Landschaft und ein NRW-Denkmal noch dazu.

Ein paar hundert Meter weiter kann man, wenn man Zeit und Lust hat, einen Schlenker nach rechts machen und das LVR-Freilichtmuseum Lindlar besuchen. Der Eintritt kostet 6,00€, für Kinder bis 18 Jahren ist er frei. Geöffnet hat das Museum Di - So von 10:00-16:00, im Sommer (März - Oktober) bis 18:00 Uhr. Der Weg dahin ist gut ausgeschildert.

Man verlässt die vielbefahrene Straße indem man nach links in die leicht ansteigende Hammerschmidt-Allee einbiegt und dieser bis zum Buchenweg folgt.
Hier rechts abgebogen sind es nur noch wenige hundert Meter bis zum Ausgangspunkt der Tour. Am Ende des Buchenwegs biegt man rechts ab und an der nächsten Möglichkeit wieder links. Nun noch ein paar Schritte und man ist wieder an der Schutzhütte, dem Startpunkt des Sülzbahnsteigs.

Mein Fazit: Eine sehr schöne, abwechslungsreiche Tour die ein bisschen Kondition erfordert, diese aber dafür mit viel Natur und schönen Aussichten belohnt wird.
Für mich mal wieder ein absoluter Tourentipp!
Auch wenn der Weg sehr gut markiert ist und man sein GPS-Gerät auch zuhause lassen könnte gibt es hier die GPS-Datei zum Download.

Zu dieser Tour gibt es eine Vielzahl von Fotos, daher wünsche ich nun viel Freude beim durchstöbern und Anreize holen.


Viel Spaß beim Nachwandern wünscht euch
Timo


Nachtrag vom 05.11.2016:
Der Lindarer Tourismusverband hat mich zwischenzeitlich auf Facebook angeschrieben und mir erklärt, warum der Schlenker entlang der Fischteiche eingebaut wurde. Vielen Dank für die Info!

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