Orientierungslos entlang der Steinbachtalsperre | Rastlos - Der Wanderblog

Sonntag, 28. Februar 2016
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Orientierungslos entlang der Steinbachtalsperre

Ein See. Am oberen Bildrand hängt ein Ast, im Hintergrund ist der See von Wald umrahmt
Hallo zusammen!
Das Wandern wird in Deutschland immer beliebter. Dauernd liest und hört man dies in allen möglichen Medien. Wandern wird zeitweise sogar als "Volkssport" bezeichnet. Da sollte man doch meinen, dass es dem Volk bei eine "Volkssport" leicht gemacht wird, diesen auszuführen. Mit Wandern als "Vokssport" ist jedoch bestimmt nicht das alleinige fortbewegen von A nach B gemeint. Es geht doch sicher auch darum, dass man diese Fortbbewegung ohne große Probleme bewältigen kann, oder täusche ich mich da?
Wieso ich das hinterfrage?

Naja, ich habe an diesem Wochenende irgendwie beides erlebt. Zum einen war da eine Gemeinde, eine Tourismusorganisation oder eine Ortschaft (wie auch immer man das jetzt nennen darf), die sich netterweise gedacht hat "Mensch, wir haben einen so schönen Stausee hier, da bieten wir unseren Besuchern doch glatt verschieden lange Wege/Touren an, wie man den See umrunden kann". Das ist toll und lädt dazu ein, den "Volkssport" Wandern auszuführen. Wenn aber eben jene Gemeinde, Tourismusorganisation oder Ortschaft dann nicht in der Lage ist, diese verschiedenen Wege anständig auszuschildern bzw. die einzelnen Wege zu markieren, dann wiederum fällt es doch sehr schwer, den "Volkssport" problemlos auszuführen.

Ich fange aber besser mal von vorn an.
Das Wetter an diesem Wochenende lud schlicht dazu ein, die Wandersaison 2016 zu eröffnen. Da der Wetterbericht diesen sonnigen Wintertag bereits angekündigt hat, habe ich mir mitte der Woche bereits Gedanken gemacht, wohin es mich verschlagen könnte. Die Wahl sollte auf die Voreifel fallen, genauer gesagt, einen Ort namens Arloff, einen Stadtteil von Bad Münstereifel. Ich hatte mir ein schöne Route ausgesucht, die ich Samstag morgen noch schnell auf mein GPS lud bevor ich losfuhr.

5 Minuten von meinem Ziel entfernt (immerhin bin ich fast eine 3/4 Stunde von Köln aus unterwegs gewesen) fiel mir dann ein, dass ich die Route zwar aufs GPS geladen, dieses dann aber auf dem Tisch habe liegen lassen. Wirklich clever. Nachdem ich meinen Unmut in einem Video auf der Rastlos-Facebookseite kundgetan habe, musste also eine Alternative her. Auf dem Weg nach Arloff hatte ich auf einem Schild etwas von einer Talsperre gelesen. Google konnte schnell helfen und so stellte ich fest, dass diese Talsperre nicht einmal 5 Minuten hinter Arloff lag - pefekt.

Spontanität ist super - oder doch nicht?


Ein Parkplatz recht schnell gefunden und somit war dann die nächste Challenge, eine schöne Tour durch unbekanntes Terrain zu finden. Ein Hinweisschild am Parkplatz verriet mir, dass es verschieden lange Wege um den See und durch den angerenzenden Wald gab. Alle Touren waren mit Nummern versehen und direkt neben dem Schild an einem Baum prangerten auch schon die ersten Wegmarkierungen. Für Leute wie mich, die noch nie zuvor in der Gegend unterwegs waren und die leider auch keinerlei Orientierungshilfen dabei hatten also pefekt. Ich entschied mich für den 12 km langen Weg mit der Nummer A7 und und marschierte los.
Kahle Bäume. Hinter dem mittleren Baum scheint die Sonne, im Vordergrund ist ein buntes Spiel aus Licht und Schatten zu sehen
Der Wald lädt zu gemütlichen Wanderungen ein

Es ging ein ganzes Stück entlang des, irgendwie gemütlichen und kleinen Sees. Da es mit etwa 12 Uhr noch recht früh am Tage war, waren die Ufer, trotz des schönen Wetters, nicht überlaufen und ich konnte die Ruhe, die der See ausstrahlte, wirklich genießen. Auf Höhe der Staumauer bogen einige Strecken über diese ab, mein Weg führte jedoch weiter geradeaus auf einem Forstweg hinein in den Wald. Einige hundert Meter weiter kam ich dann zum ersten mal ins Straucheln. Auf Höhe einer eingezäunten Abstellfläche für landwirtschaftliche Geräte fand ich ein Schild, das darauf hinwies, dass der Weg A5, der mich bis dahin begleitet hatte, nach links in den Wald abbog. Von einer Markierung für A7 war weit und breit keine Spur. Also ging ich weiter geradeaus, bis ich an einer Landstraße ankam. Auch hier, keine Spur von A7. Was also tun?

Wenn Entspannung und angenehmes Wandern verhindert wird


Naja, die Hauptstraße wird wohl kaum richtig sein, war mein Gedanke und so ging ich zurück zum eingezäunten Bereich. Gott sei danke habe ich zu Beginn der Tour das Schild fotografiert, auf dem die verschieden langen Wege aufgezeichnet waren. Dieses Foto sollte an dieser Stelle mein Retter in der Not sein. Zwar war der eingezäunte Bereich nicht eingezeichnet, anhand der gelaufenen Strecke aber war es nicht schwer auszumachen, wo ich mich befand. Hinter dem Zaun rechts, sollte der Weg abbiegen. Ich ging hin und sah einen matschigen Trampelpfad, aber auch hier kein Hinweis auf A7. Egal, ich hatte nichts zu verlieren und so versuchte ich, halbwegs sauber um den Schlamm herum zu kommen, der dem Regen der letzten Tage geschuldet war. Irgendwie hat mich das an Neukirchen-Seelscheid erinnert.

Ich konnte es kaum glauben als ich 2-3 Minuten später endlich ein Schild fand auf dem A7 zu lesen war. Ich war doch tatsächlich auf dem rechten Weg - yeah! Kurze Zeit später sollte aber schon das nächste Highlight folgen. Hinter einem Waldparkplatz, an dem erstaunlicherweise sogar der europäische Fernwanderweg E8 vorbei läuft, lag eine Weggabelung. Nun stelle man sich bitte folgendes vor: Man steht an eben jener Weggabelung, hat also die Wahl, ob man nach rechts oder links abbiegt. In der Mitte dieser Gabelung steht ein Schild - man steht so zu sagen frontal davor. Was erwartet man von diesem Schild? Klar, dass es anzeigt, ob der Weg A7 nach links oder rechts abbiegt. A7 stand auch wirklich auf dem Schild ... aber mit einem Pfeil nach geradeaus! Wie bitte? Ich schüttelte den Kopf, kramte meine Kamera wieder raus und suchte das Foto vom Lageplan. Den Parkplatz fand ich, bloß war dort keine Weggabelung eingezeichnet. In guter, alter "Schnick-Schnack-Schnuck"-Manier entschied ich mich dann für den rechten Weg. Immerhin, die Chance stand 50:50.

Ein Holzkreut mit dem Schriftzug "Fuhrmannskreuz" und einer Jesusfigur in der Mitte
Unverkennbar: Das Fuhrmannskreuz
Ich kann bis jetzt nicht sagen, ob ich die richtigen oder die falschen 50% gewählt habe. Nach einigen Metern beschlich mich dann doch ein komisches Gefühl, als vor mir ein offenstehendes Tor mit Zäunen rechts und links stand. Hinter dem Tor stand ein grüner Jeep (bestimmt ein Forstfahrzeug) und ich hörte, dass irgendwo im Wald gesägt wurde. Ich kehrte um und ging zurück, da ich das Gefühl hatte, hier falsch zu sein. Hinzu kam, dass ich auf dem Weg zum Tor kein A7-Schild entdeckt habe. Also zurück und den anderen, linken Weg genommen. Aber auch hier stand ich nach ein paar Metern vor einem offenen Tor (diesmal jedoch ohne Jeep) und auch hier fehlten die Schilder. Irgendwas sagte mir dann, ich müsse mich doch rechts halten und so marschierte ich hinter dem Tor durchs Unterholz um nun doch wieder auf den rechten Weg zu kommen.

Rätselraten auf der Suche nach dem richtigen Weg


Als ich wieder auf dem anderen Weg angekommen war, folgte ich diesen erstmal ein ganzes Stück. Etwa 10 Minuten später kam ich an ein Fuhrmannskreuz, jedoch hatte ich bis dahin weiterhin kein Schild mit der Aufschrift A7 entdeckt. Daher beschlich mich wieder das komische Gefühl, doch den falschen Weg genommen zu haben.

Auf Höhe des Kreuzes nahm ich daher einen Abzweig nach links. Als ich dann einer anderen Kreuzung ankam und ich zu diesem Zeitpunkt bereits völlig die Orientierung verloren hatte, holte ich mein Handy aus dem Rucksack und versuchte, meinen Standort zu bestimmen. Wie es aber nun mal so ist, hat man im Wald natürlich keinen Empfang. Ich hatte also die Wahl: Entweder gehe ich zurück zum Parkplatz und laufe von dort aus die gesamte Strecke wieder zurück zum See oder aber ich wage es und gehe nach links, in der Hoffnung, wieder auf den alternativen Weg zu kommen. Ich entschied mich für die zweite Variante und folgte dem Weg nach links. Nach einiger Zeit dann hatte ich tatsächlich Glück und entdeckte ein Schild auf dem A7 zu lesen war. Zu diesem Zeitpunkt jedoch habe ich mich bereits mehrfach tierisch über die nicht vorhandenen Markierung aufgeregt. Ich folgte dem Forstweg nun eine ganze Zeit weiter bis an einer gerade Stelle plötzlich wieder keine Markierungen mehr vorhanden waren. Nach den bisherigen Erfahrungen kann ich versichern, dass ich definitiv aufgepasst und die Abbiegung nicht verpasst habe. Es gab einfach mal wieder keinen Hinweis mehr.

Das lang ersehnte Ende


An dieser Stelle möchte ich den Bericht jetzt ein wenig abkürzen. Jedenfalls habe ich es irgendwann geschafft meinen Standort per Handy zu bestimmen. Nachdem ich dann festgestellt hatte, dass ich völlig falsch laufe und mich eher von der Talsperre entferne, drehte ich sofort um und versuchte einen Weg nach unten zu finden. Gott sei Dank verließ mich mein Handyempfang nicht und so fand ich einen Forstweg der mich, wenn ich ihm einfach folge, zur Talsperre zurück brachte.
Weiße, an einem Baum befestigte Blechschilder mit den Aufschriften A7 und A1
An einigen Stellen findet man dann doch eine Wegmarkierung
So war es dann zum Glück auch. Zwischenzeitlich hatte ich eine Pause (mit frisch gekochtem Kaffee) am Wegesrand eingelegt. Zwei andere Wanderer kamen vorbei und fragten mich, ob ich mich auskenne. Ich verneinte und fügte hinzu, dass ich selbst Probleme mit der Orientierung hier habe. Sie bestätigten das, was ich schon die ganze Zeit festgestellt habe: Die Markierung der Wege ist eine absolute Katastrophe!

Irgendwann fand ich mich dann tatsächlich am Stausee wieder und fand von dort aus wieder problemlos den Weg zum Auto zurück.
Fazit: Schöne Landschaft, weitläufiger Wald, nicht überlaufen und einige Freizeitmöglichkeiten machen den Stausee bei Arloff zu einem schönen Ausflugsziel. Aber bitte, liebe Stadt Bad Münstereifel, wandert doch mal eure Rundwege ab. Ihr werdet nicht glauben, wie schnell ihr feststellt, in welch katastrophalem Zustand sich eure Markierungen befinden. Hier sage ich nur eins: Nachbessern! Erholung vom stressfreien Alltag sieht anders aus.
Um nun wenigstens doch noch was positives zu erwähnen bzw. zu zeigen gibt es nachstehend, wie immer, noch drei Fotos. Ein Album mit noch mehr Bildern dieser Tour gibt es auf Facebook.


Eine Karte, auf der grob einige Wanderwege eingezeichnet sind
Mögliche Wege um den See und durch den Wald

 
Am Wegesrand liegt Schnee und bedeckt verwelkte Pflanzen
Sogar Schnee lag vereinzelt noch im Wald

Ein kleiner, grauer Kocher, der von unten mit Brennstoff beheizt wird
Damit man auch unterwegs nicht auf Kaffee
verzichten muss - der esbit Kocher

Liebe Grüße,
Timo Krause


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