Von leckerem Essen und matschigen Wegen - der Kräuterweg im Bergischen | Rastlos - Der Wanderblog

Mittwoch, 9. September 2015
Meine Bewertung:

Von leckerem Essen und matschigen Wegen - der Kräuterweg im Bergischen

KraeuterpfadErlebnisreich und Genussreich.

Mit diesen beiden Wörtern lässt sich meine Wandertour vom vorletzten Wochenende denke ich am besten beschreiben. Diesmal hat es mich auf den "Kräuterweg" nach Neunkirchen-Seelscheid verschlagen, wieder ein s.g. "Streifzug" des Bergischen Wanderlandes. Der "Kräuterweg" ist ein rund 15 km langer Rundwanderweg der das Thema heimische Wildkräuter aufgreift und auf 12 Infotafeln über diese berichtet. Wie bei den Bergischen Streifzügen üblich ist auch hier der Weg klar durch rote Wegweiser, diesmal mit der Nummer 19, gekennzeichnet.
Los ging es also am Parkplatz "Am Ehrenmal", welcher direkt an einer Hauptstraße liegt und somit mit dem Auto wirklich sehr gut erreichbar ist. Vom Parkplatz aus gelangt man in wenigen Minuten an eine Kirche, hinter der man den "Wenigerbach" überquert und ich dann zum ersten Mal dachte, dass ich hier falsch sei. Ich dachte, ich sei auf einem Privatgrundstück, da ich direkt in einer Art Garten vor einem Wohnhaus stand.
Ein Blick auf mein GPS verriet mir aber, dass ich wohl doch den richtigen Weg eingeschlagen hatte und so ging es dann weiter, an dem Haus vorbei bis zur Straße "An der Krautbitze". Wie passend der Name doch zur Tour passt, dachte ich mir und ging die Straße rauf, bis ich mich auf einem Feld wiederfand, von dem aus man einen wundervollen Blick über das Bergische Land hatte. Hätte ich auch nur geahnt, was im Laufe dieser Wanderung noch auf mich zukommt, hätte ich mich wohl besser aufs Feld gesetzt, hätte den Ausblick genossen und wäre später einfach wieder zurück gegangen, aber der Reihe nach
Der Weg führte weiter, entlang des Feldes, bis man in ein Waldstück abbiegt, in dem man nach nur wenigen Minuten eine neu errichtete und (noch) gut aussehende Schutzhütte erreicht, an der ich meine erste Rast eingelegt habe. Solche Schutzhütten stehen ironischerweise immer da, wo man sie nicht braucht, denn meist ist keine in der Nähe, wenn es aus Eimern schüttet oder Blitze einem förmlich um die Ohren zucken.
Kuehe
"Huch, hier ist aber schon lange keiner mehr gewesen"
Nach einigen weiteren Metern musste ich mir das Lachen dann verkneifen. Ich stand an einer Kuhweide, auf der ich von über einem Dutzend Kühen ziemlich misstrauisch angesehen wurde. Offenbar laufen hier nur selten Wanderer vorbei - das zumindest ließ der Blick erahnen. Wenn man Ende August wandern geht, hat man das große Glück, dass an den meisten Obstbäumen und Sträuchern die Früchte reif sind. So konnte man diese Tour auch mit einer Genusswanderung gleichsetzen, da an fast jeder Ecke ein Brombeerstrauch zu finden war oder, wie einige Gehminuten nach der Kuhweide, ein voll behangener Apfelbaum. Zugegeben, die Äpfel waren noch ein wenig sauer, aber trotzdem sehr lecker. Den Apfelbaum lässt man hinter sich und betritt kurze Zeit später den Wald, in dem man erstmal bergab geht um dann im Tal den kleinen, malerischen "Mühlenbach" zu überqueren. Wie dafür vorgesehen steht dort kleine Brücke. Ich habe lieber den Weg durch den Bach genommen um einmal die Dichtigkeit meiner Schuhe zu testen. Das ich dazu im weiteren Verlauf des Weges noch wahrlich genug Gelegenheiten hätte, wusste ich bis dato natürlich noch nicht.
Unmittelbar nach der Brücke erwartete mich aber schon das erste Unheil in  Form einer riesigen Matschlache, gefolgt von einem kurzen aber heftigen Aufstieg - eben wieder heraus aus dem Tal. Oben angekommen machte ich erstmal wieder eine Pause mitten auf einem Feld, welches sich nur einige Gehminuten nach dem Aufstieg vor mir ausbreitete. Wenig später erreichte ich eine kleine Ortschaft, die ich jedoch auch schnell wieder hinter mir ließ, um mich schnurstracks in Richtung Scheitelpunkt der Wanderung zu begeben. Über eine weitläufige Wiese und vorbei an (diesmal uninteressierten) Kühen erreicht man diesen schließlich, um dort den "Naafbach" zu überqueren und eine Kehrtwende einzulegen.
Schlamm
Schlamm und Dreck so weit das Auge reicht
Das jedoch, was mir auf den nachfolgenden 2 Kilometern passiert ist, spottet eigentlich jeder Beschreibung. Ich fasse es daher kurz zusammen, da es eigentlich keine Wörter dafür gibt: Der Weg war eine absolute Katastrophe! Wobei das Wort "Weg" noch nett ausgedrück ist - im Grunde war dieser Trampelpfad eher eine Art Moor, welches nur so übersäht war mit Schlamm- und Matschlachen, die teilweise die Breite des ganzen Weges einnahmen. So blieb mir nichts anderes übrig, als über die neben dem Weg liegende Wiese zu gehen, welche jedoch ebenfalls mehr als nur durchnässt war. Die Schuhe waren zum Teil bis zum Knöchel im Wasser versunken. Bilder von all dem habe ich kaum machen können, da ich zu sehr damit beschäftigt war, den nächsten stabilen Schritt zu machen, um mich nicht bäuchlings dem Schlamm und somit meinem Schicksal hingeben zu müssen. Das eine Bild jedoch, welches Ihr hier sehen könnt, bedarf keines Kommentares. Ich denke, das spricht wirklich für sich.
Nach dieser Schlammschlacht habe ich mich über das ganze Gegenteil, welches anschließend auf mich wartete, wirklich gefreut. Normalerweise sind Wanderer keine Freunde von asphaltierten Wegen oder gar Straßen, diesmal jedoch habe ich mich gefreut wie ein kleiner Schneekönig, als ich ein paar Meter über eine befestigte Straße wandern durfte. Fester Boden unter den Füßen tut nach so einer Aktion doch irgendwie gut.
Kurze Zeit später biegt man links ab und überquert einige Meter weiter wieder den "Naafbach", in dem ich mir zuvor meine Schuhe sporadisch etwas sauber gemacht und vom Matsch befreit habe. Das jedoch hätte ich mir sparen können, da mich nach der Überquerung des Baches eine ähnliche Sumpflandschaft erwartete wie vorher. "Naaaa super" dachte ich mir nur ging nun mitten hindurch, ohne Rücksicht auf Verluste. Das war mir dann auch wirklich egal.
Gasthof Roettgen
Der Gasthof Röttgen - bekannt aus der Serie "Mord mit Aussicht"
Recht verschwitzt und wissend, dass ich nach der Wanderung noch in einem ganz besonderen Lokal einkehren wollte, zog ich mir wenig später erstmal ein frisches T-Shirt an, während ich meine Wanderstöcke als provisorischen Wäscheständer nutze und so mein Hemd an meinem Rucksack zum trocknen aufhing. Die kleine Ortschaft, welche nur wenige Gehminuten später erreicht wird, durchquerte ich dann recht flott um mich anschließend ... zu verlaufen. Oder besser gesagt, um gutgläubig den falschen Weg einzuschlagen, der mir dann locker 20 Minuten mehr Strecke aufgehalst hat. Nun denn, dank meines GPS-Geräts (ich möchte es wirklich nicht missen) gelangte ich dann schlussendlich wieder an meinen Ausgangspunkt.
Dort angekommen hatte ich dann nur noch ein Ziel: Den "Gasthof Röttgen". Fans des ARD Ulk-Krimis "Mord mit Aussicht" werden diesen Gasthof kennen, da dieser in der Serie als Drehort und Kulisse für den fiktiven Gasthof Aubach dient - die Stammkneipe in "Hengasch" (ebenfalls ein fiktiver Ort). Da ich selbst Fan dieser Serie bin habe ich mir bewusst eine Wanderung in Neunkirchen-Seelscheid ausgesucht, da ich einmal "ins Aubach" wollte. Leider blieb mir dieser Wunsch jedoch verwährt, da ausgerechnet an diesem Tag eine Hochzeitsgesellschaft den ganzen inneren Teil des Gasthofs gemietet hatte. So ein Mist! Daher musste ich mich leider mit dem Außenbereich zufrieden geben und konnte nur die Fassade genießen. Naja, für einen wahren Fan ist das ja auch schon mal was. Bei einem alkoholfreien Weißbier und einem gebackenen Camembert ließ ich die Wanderung Revue passieren und betrachtete dauernd meine extrem schlammigen Wanderschuhe. Schlamm soll ja bekanntlich gut für die Haut sein. Ob das jedoch auch auf tote Haut, also Leder, zutrifft ... naja, ich weiß ja nicht. Jedenfalls hatten sich meine Schuhe nach diesem Tag eine Beautybehandlung redlich verdient.
Alle Informationen zu dieser Wanderung bekommt man auf der Seite des Bergischen Wanderlandes oder zusammegefasst in dieser PDF.
Nachstehend wie immer noch ein paar Fotos (und diesmal auch ein Video) dieses chaotischen Tages.



Schutzhuette
Schutzhütte am Wegesrand

Panoramablick
Panoramablick über das bergische Land

Bruecke
Eine Brücke mitten im Wald

Muehlenbach
Malerisch fließt der Mühlenbach durch den Wald

Baum
Irgendwas ist hier schief ....


Liebe Grüße
Timo Krause



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