Meine "besonderen" Wandererlebnisse | Rastlos - Der Wanderblog

Sonntag, 16. August 2015

Meine "besonderen" Wandererlebnisse

Kleidungswechsel
Nach dem Regen war erstmal Umziehen angesagt
Das wahre Leben findet ja bekanntlich draußen statt. Wahrscheinlich ist auch genau das der Grund dafür, dass man wandern geht. Naja, zumindest ist es bei mir so. Wie ich ja bereits schon mal hier erwähnt habe, wandere ich bewusst seit Januar 2014 und habe gestern mal darüber nachgedacht, was mir in der Zwischenzeit für kuriose und witzige aber auch schöne und nachdenkliche Dinge passiert sind. Allzu lang musste ich gar nicht überlegen, bis mir spontan diverse Situationen einfielen, die bei meiner ersten Wanderung, welche ich noch gar nicht als solche wahrgenommen habe, anfingen.
Damals, eben im Januar 2014, war ich in Köln am Rhein unterwegs. Tags zuvor hatte es geregnet, sodass das Ufer in Poll recht matschig war. An einer Stelle gab es dann, im wahrsten Sinne, kein Halten mehr und ehe ich mich versah, lag ich binnen Sekunden auf dem Boden.
Zu meinem Leidwesen mitten in einer Matschlache. Gott sei dank konnte ich mich mit den Armen noch etwas abstützen, dennoch fand ich die Situation so urkomisch, dass ich noch auf dem Boden anfangen musste zu lachen. "Endlich mal wieder geerdet" dachte ich mir und stand mit einem Grinsen im Gesicht wieder auf. Jackenärmel, Hose und Hände, alles war voller Matsch. Da ich nichts außer ein paar Taschentücher dabei hatte, blieb mir nichts anderes übrig, als mich mit diesen und kaltem Rheinwasser sauber zu machen. Wärmeres Wasser zum sauber machen wäre mir lieber gewesen. Das kam dann auch, jedoch erst einige Monate später und zu einem Zeitpunkt, an dem ich es dann gar nicht gebrauchen konnte.
Ich war unterwegs an der Wahnbachtalsperre bei Siegburg. Das Wetter an diesem Tag war wirklich
fantastisch. Sonnig, blauer Himmel und ein leichter Wind. Nach einer Pause in Siegburg Seligenthal ging die Wanderung weiter durch ein kleines Waldstück, in dem der Wind von einer Sekunde auf die andere extrem an Geschwindigkeit zunahm. Ich wunderte mich doch sehr, wo der plötzliche Wetterumschwung herkam, da noch wenige Minuten zuvor nichts davon sichtbar gewesen war. Nur Augenblicke später änderte sich dies, indem sich der Himmel zuzog und es unmittelbar danach anfing zu regnen. Wobei "regnen" eigentlich der falsche Ausdruck ist. Ich hatte eher das Gefühl, als öffneten sich oben alle Schleusen und die Regenmenge eines halben Jahres würde sich in einer Sekunde über mir entladen. Da ich in meinem Wanderrucksack immer einen Notfallregenponcho habe, schmiss ich meine Rucksack auf den Boden und wühlte nach dem Poncho. Wie es in solchen Situationen nun mal so ist, erwies sich das Auseinanderfalten des Ponchos als sehr mühselig, zumal meine Finger vom Regen schon ganz nass waren. So blieb mir also nichts anderes übrig, als mir den Poncho irgendwie über den Kopf zu halten und zu hoffen, dass es schnell wieder aufhören würde zu regnen. Meine Haltung muss von außen urkomisch ausgesehen haben. Leider erwies sich mein provisorisches Dach als lückenhaft, was sicher auch mit den Öffnungen zu tun hatte, die eigentlich für Kopf und Arme vorgesehen sind. So merkte ich nach kurzer Zeit, wie es an meinem Rücken kühl und nass wurde. Versuche, den Poncho anders zu halten, erwiesen sich als ziemlich doofe Idee, da die Löcher immer größer wurden und ich ab diesem Zeitpunkt dann auch vorn nass wurde. Zwar regnete es im Gesamten nur etwa 10 Minuten, diese haben jedoch gereicht, um mich einmal fast vollständig zu durchnässen.
Friedhof
Jüdischer Friedhof in Erftstadt Liblar
(Quelle: wikipedia.org von Papa1234)
Als Wanderneuling denkt man natürlich noch nicht an ein Ersatzhemd o.ä., daher steht man schon ziemlich doof dar, wenn man plötzlich völlig durchnässt ist. Keine zwei Minuten nach Ende des Regengusses war der Himmel auch schon wieder Blau und die Sonne schien wieder in ihrer vollen Stärke. Aus diesem Grund war es ziemlich doof, das ich als einziges Wechseloutfit eine Jacke dabei hatte. So wurde es nach dem Klamottenwechsel, welcher übrigens auf einer Parkbank an einer Wegkreuzung stattgefunden hat, ziemlich schnell ziemlich warm. Das Hemd hing ich mir über den Rucksck, damit es schnellstmöglich wieder trocknet. 
Seit diesem Tag habe ich immer ein zweites Hemd oder T-Shirt dabei, das habe ich gelernt. Der Regenguss war jedoch nicht das Einzige, was mir an diesem Tag passiert ist. Nein, etwa eine Stunde später musste ich mich leider durch eine Brennesselwald kämpfen, da der (bis dahin ausgeschilderte) Wanderweg genau dort hindurch führte. Vermutlich hat man hier wohl vergessen, mal wieder mit der Sichel durchzugehen. Naja, auch diesen Dschungel ließ ich hinter mir um mich anschließend nochmal richtig schön zu verlaufen. Mit dieser Wanderung bin ich jedenfalls noch nicht fertig, den Weg gehe ich nochmal.
Von meiner Begegnung mit der Schuhwaschanlage in Rösrath habe ich ja schon berichtet, dennoch möchte ich sie in diesem Bericht zumindest nochmal erwähnen - sie hat's einfach verdient. 
Welchen Ort ich jedoch noch nicht erwähnt habe, er es jedoch ebenfalls verdient hat, ist der ehemalige jüdische Friedhof in Erftstadt Liblar. Diesen habe ich bei einer Seenwanderung eher zufällig entdeckt, da er recht versteckt an einem Trampelpfad in der Nähe des Bahnhofs liegt. Fast am Ende dieser Wanderung bin ich an dem kleinen, umzäunten Friedhof vorbei gekommen. Das Tor steht ständig offen und eine kleine Hinweistafel erzählt davon, dass der Friedhof in der Zeit des Nationalsozialismus komplett zerstört und die Grabsteine in die Grube Liblar geworfen wurden. Erst 1961 hat man fünf neue Grabsteine aufgestellt. Der kleine Fiedhof dient wohl bis heute dem Gedenken an die Opfer der NS-Zeit und der stillen Trauer an diejenigen, die hier früher beerdigt wurden. Davon zeugen die kleinen Steine, die nach jüdischer Tradition auf die Grabsteine gelegt werden. Auch ich musste einige Zeit inne halten und habe selbst einen Kiesel auf einen der Grabsteine gelegt. Diese und auch andere religiöse Erfahrungen, die ich auf meinen bisherigen
Denkmal am Rheinsteig
Gedenktafel am Rheinsteig zur Erinnerung an gefallene Soldaten
Wanderungen gemacht habe, waren immer etwas besonderes für mich. Zwar bin ich kein wirklich religiöser Mensch, dennoch lasse ich es mir selten nehmen, mir interessante Kirchen, Denkmäler oder auch Friedhöfe anzusehen. Ich finde, das gehört einfach dazu, wenn man das Wandern dazu nutzt, um ein wenig Ruhe vom sonst so hektischen Alltag zu finden. Aus vielleicht dem gleichen Grund habe ich auch inne gehalten, als ich auf einer meiner Rheinsteig Etappen, mitten im Wald, an einer Gedenkstätte für gefallene Soldaten vorbei gekommen bin. Hier habe ich mich einfach einmal 10 Minuten hingesetzt, mir die Namenstafel sowie den Kranz angesehen, welcher dort wohl erst vor kurzem erneuert worden sein musste und die Ruhe genossen. Auch solch vermeintlich unbedeutende Dinge sind für mich irgendwie etwas ganz besonderes. 

Es muss nicht immer chaotisch oder witzig sein, was ein Erlebnis zu einem Besonderen macht. Manchmal sind es eben auch die einfachen Dinge im Leben.

In Zukunft werde ich hier vielleicht noch öfter über meine persönlichen, besonderen Erlebnisse berichten - sie müssen jedoch erst einmal passieren.

Bis dahin verbleie ich, wie immer,

mit lieben Grüßen
Timo Krause

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